Der 57. Jahrmarkt Wissen am 26. und 27. September 2026 stellt ein Projekt zur Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit in Sierra Leone in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit der Hilfsorganisation action medeor sammelt der Jahrmarkt Wissen e.V. Spenden für die Ausbildung von Hebammen und die Stärkung der medizinischen Versorgung in den ländlichen Distrikten Moyamba und Bo in der Südprovinz des westafrikanischen Landes.
Sierra Leone zählt zu den Ländern mit einer der höchsten Mütter- und Säuglingssterblichkeiten weltweit. Besonders in ländlichen Regionen fehlen qualifizierte Hebammen, medizinische Ausstattung und ausreichende Gesundheitsangebote. Nach der Ebola-Epidemie standen dem Land zudem deutlich weniger Fachkräfte im Gesundheitswesen zur Verfügung.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde 2017 eine Hebammenschule im ländlichen Raum gegründet. Seit ihrer Eröffnung konnten bereits rund 400 Hebammen ausgebildet werden. Der aktuelle Projektabschnitt von 2024 bis 2028 baut auf dieser erfolgreichen Arbeit auf und soll die Gesundheitsversorgung von Müttern und Neugeborenen weiter verbessern.
Für das Jahr 2027 sind unter anderem die Ausstattung von 16 Gesundheitseinrichtungen mit medizinischem Equipment für Entbindung und Nachsorge, Auffrischungstrainings für Hebammen und Gesundheitspersonal sowie regelmäßige Praxisbesuche durch Lehrkräfte der Hebammenschule vorgesehen. Darüber hinaus werden in 15 Gemeinden Workshops, Informationskampagnen und Sensibilisierungsveranstaltungen zu Schwangerschaft, Geburt und Mutter-Kind-Gesundheit durchgeführt.
Von den Maßnahmen profitieren insgesamt 200 Hebammenschüler, 120 praktizierende Hebammen, 100 Krankenschwestern, 16 Gesundheitseinrichtungen, 15 Gemeinden sowie vor allem jedes Jahr rund 10.000 werdende Mütter.
Wie wichtig eine qualifizierte Betreuung rund um die Geburt ist, zeigt die Geschichte der Hebamme Aminata. Ihre kleine Schwester starb noch im Mutterleib, weil niemand vor Ort helfen konnte. Später erlebte sie bei einer komplizierten Geburt den Tod eines Neugeborenen. Diese Erfahrungen motivierten sie, sich an der Hebammenschule ausbilden zu lassen. Mit der passenden Ausrüstung wäre es vielleicht anders ausgegangen, vermutet die Hebamme. „Nie wieder soll ein Kind unnötig sterben!“ ist der Leitsatz der Hebamme Aminata.
Das Projekt wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert und hat ein Finanzvolumen von ca. 1,5 Mio. Euro. Für die Projektlaufzeit von 2024 bis 2028 beträgt der Eigenmittelanteil von action medeor 373.333 Euro. Für das Jahr 2027 werden Eigenmittel in Höhe von 74.666 Euro benötigt. Dieser Betrag ist zugleich das Spendenziel des Jahrmarkts Wissen e.V.
Mit ihrem Engagement möchten action medeor und der Jahrmarkt Wissen e.V. dazu beitragen, die Mütter- und Säuglingssterblichkeit in Sierra Leone nachhaltig zu senken und die Gesundheitsversorgung in den ländlichen Regionen langfristig zu stärken.
Text: Julia Bender, Jahrmarkt Wissen e.V.
Foto: Hebammen informieren Frauen in Sierra Leone bei einem Workshop über Mythen und Fehlinformationen zum Thema Müttergesundheit und Geburt. (Foto: action medeor)

