Ein Plakat mit Geschichte und einer Botschaft, die Grenzen überwindet

Mia Geimer-Stangier gestaltet das Motiv für den 57. Jahrmarkt Wissen – Mutter und Kind stehen für das Motto „Gut betreut von Anfang an“

Eine Mutter hält ihr Baby schützend im Arm. Die Szene wirkt vertraut und unmittelbar – und genau das ist beabsichtigt. Das Motiv des neuen Plakats für den 57. Jahrmarkt Wissen soll eine Botschaft vermitteln, die ohne viele Worte auskommt: „Gut betreut von Anfang an“. Gestaltet wurde das Plakat wie immer von der Künstlerin Mia Geimer-Stangier.

Dabei steckt in dem Motiv weit mehr Geschichte, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Das diesjährige Plakat greift eine Gestaltung für das Plakat aus dem Jahr 1984 auf. Grundlage für die Darstellung ist ein Foto, das der inzwischen verstorbene Jahrmarkt-Mitarbeiter Jonas Stausberg bei einem Projektbesuch während einer Afrikareise aufgenommen hatte. Das Foto wurde nun viele Jahre später erneut zur Vorlage.

Geimer-Stangier hat das Motiv als Acrylmalerei in Tontrennung umgesetzt. Diese Technik lässt sich heute auch digital mit entsprechenden Programmen erzeugen. Beim neuen Jahrmarkt-Plakat entstand die Tontrennung jedoch vollständig von Hand. So wurde aus der historischen fotografischen Vorlage ein neues Kunstwerk.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht diejenigen, die helfen, sondern diejenigen, denen die Hilfe zugutekommen soll. „Das Motiv zeigt nicht die Helfer, sondern diejenigen, denen die Unterstützung zugute kommen soll.“, erklärt die Künstlerin. Die Mutter-Kind-Szene hat für Geimer-Stangier eine besondere Bedeutung. Eine Mutter, die ihr Kind hält und schützt, steht für eine der ursprünglichsten menschlichen Beziehungen. Sie ist unabhängig von Herkunft, Sprache oder Kultur verständlich. Gerade deshalb soll das Bild Nähe schaffen und Empathie wecken.

Das passt unmittelbar zum diesjährigen Projekt des Jahrmarkts. Unter dem Motto „Gut betreut von Anfang an“ wird die Hebammen-Ausbildung in Sierra Leone unterstützt. Damit richtet sich der Blick auf die Gesundheit und Betreuung von Müttern und Neugeborenen.

In Sierra Leone zählt die Mütter- und Säuglingssterblichkeit zu den höchsten weltweit. Besonders in den ländlichen Regionen fehlt es an qualifizierten Hebammen und einer ausreichenden medizinischen Versorgung. Um dem entgegenzuwirken, wurde 2017 eine Hebammenschule im ländlichen Raum gegründet, an der inzwischen rund 400 Hebammen ausgebildet wurden.

Das von action medeor gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Projekt soll die Versorgung von Müttern und Neugeborenen nachhaltig verbessern und vermeidbare Todesfälle reduzieren. Es hat ein Finanzvolumen von ca. 1,5 Mio. Euro und eine Projektlaufzeit von 2024 bis 2028.

Im Projektjahr 2027 sollen unter anderem 16 Gesundheitseinrichtungen mit medizinischem Equipment ausgestattet, Hebammen und weiteres Gesundheitspersonal fortgebildet und die praktische Ausbildung der Hebammenschüler begleitet werden. Zusätzlich sind in 15 Gemeinden Informations- und Sensibilisierungsveranstaltungen zu Schwangerschaft, Geburt und Mutter-Kind-Gesundheit geplant. Dafür hat sich der Jahrmarkt Wissen e.V. ein Spendenziel von 74.666 Euro gesetzt.

Das Plakat verbindet somit Vergangenheit und Gegenwart: Eine Idee aus der Geschichte des Jahrmarkts wird aufgegriffen und mit dem aktuellen Hilfsprojekt verbunden. Aus einem Foto, das vor Jahrzehnten während eines Projektbesuchs entstand, wurde eine neue künstlerische Darstellung – und damit zugleich ein Sinnbild für das Anliegen des Jahrmarkts.

„Gut betreut von Anfang an“ ist das Motto für das Projekt 2026. Die Worte beschreiben, worum es beim diesjährigen Engagement geht: Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen und Mütter bei der Geburt fachkundig zu begleiten.

Der 57. Jahrmarkt Wissen findet am 26. und 27. September 2026 statt. Das neue Plakat wird nicht nur auf die Veranstaltung aufmerksam machen, sondern auch daran erinnern, warum der Jahrmarkt seit Jahrzehnten Menschen in Wissen zusammenbringt: um gemeinsam zu feiern und gleichzeitig Menschen in anderen Teilen der Welt zu unterstützen.

Julian Schmitz-Avila übernimmt erneut die Schirmherrschaft

Ein bisschen Wiedergutmachung ist offenbar noch drin: Nachdem die Eröffnung des vergangenen Jahrmarkts wegen des starken Regens buchstäblich ins Wasser gefallen war, möchte Julian Schmitz-Avila den Jahrmarkt in diesem Jahr noch einmal richtig erleben. Der Kunst- und Antiquitätenexperte, bekannt aus der Sendung „Bares für Rares“, übernimmt erneut die Schirmherrschaft und freut sich darauf, nach Wissen zurückzukehren. Besonders beeindruckt hat ihn die große Hilfsbereitschaft der Menschen in der Stadt und ihr Engagement für den guten Zweck.

Los geht es am Samstag, 26. September, um 10.30 Uhr mit der Eröffnung. Für musikalische Unterhaltung sorgen unter anderem Soulmatic und die Band Hännes. Mit dabei sind außerdem Frau Kurze und die erste Klasse sowie zahlreiche Tanzgruppen aus Wissen und der Umgebung und sogar aus Bonn.

Auch bei den Ständen gibt es Neues zu entdecken. So ist erstmals „Pasteria – eine Nudel, viele Versuchungen“ dabei. Und das soll längst nicht die letzte Neuigkeit bleiben: Weitere Überraschungen und Programmpunkte werden in den kommenden Wochen noch vorbereitet.

Fest steht schon jetzt: Der 57. Jahrmarkt soll wieder ein Wochenende voller Musik, Begegnungen, Unterhaltung und gelebter Hilfsbereitschaft werden – und diesmal darf Julian Schmitz-Avila hoffentlich auch eine trockene Eröffnung erleben.

Text: Julia Bender, Jahrmarkt Wissen e.V.
Foto: Das Motiv für den 57. Jahrmarkt Wissen wurde von Mia Geimer-Stangier gemalt (Foto: Mia Geimer-Stangier, Jahrmarkt Wissen e.V.).